Jetzt mal ehrlich, Angie!

Liebe Angela,

toll. Du hast es endlich geschafft, als erste Frau in der Geschichte der BRD dem Kanzleramt so nahe zu sein. Und verkündest auch gleich, einen ehrlichen Wahlkampf führen zu wollen. Ein wenig verwunderlich, da du damit doch unterstellst, alle bisherigen Wahlkämpfe deiner Union wären unehrlich gewesen.

Aber deine Ehrlichkeit finde ich klasse. Du stehst dazu, dass der Atomausstieg erst einmal auf die lange Bank geschoben wird, wenn mensch nicht gleich ganz auf den Ausstieg verzichtet und wieder richtig in die Vollen einsteigt.

Und dann dieses Steuerthema. Mensch hört Stimmen aus der Union, eine Steuersenkung nach der möglichen Übernahme von Regierungsverantwortung wäre auf keinen Fall finanzierbar. Aber du weist es natürlich besser und sagst uns offen und direkt, dass der Eingangs- und Spitzensteuersatz bestimmt um drei Prozentpunkte gesenkt werden kann. Wer denkt da noch an die Vorwürfe gegen rot-grün wegen der angeblich so sozial unausgewogenen Steuerreform.

Ach ja, die Finanzierung lieferst du gleich mit. Mehrwertsteuererhöhung. So offen wie momentan in der Union wurde bisher nie dieses Thema angesprochen. Aber bisher hätte mensch ja auch enorme Kritik von deinem Verein bekommen, wenn mensch dieses Wort „Steuererhöhung“ auch nur in den Mund genommen hätte.

Es ist doch schön, wie so langsam der Realismus bei dir und deinen Mannen durchschlägt. Auch einmal ist auch das Thema des Subventionsabbaus kein Problem mehr. Über die Abschaffung von Entfernungspauschale und Wohnungsbauprämie wird diskutiert, die Abschaffung der Ökosteuer dagegen wird nicht mehr gefordert, auf einmal kommt richtig Bewegung in die Diskussion und Vorschläge der Regierung werden mal schnell für sich vereinnahmt.

Ach ja, wo wir schon einmal dabei sind. Ich verstehe immer noch nicht, wie Nicht-Diskriminierung Arbeitsplätze vernichten soll. Oder andersrum: Warum muss einE UnternehmerIn ihre oder seine Kund(E)In diksriminieren dürfen, damit sie oder er Jobs schafft. Der arbeitsrechliche Teil stammt doch „eins zu eins“ aus der EU-Richtllinie. Und warum einE ReiseunternehmerIn Behinderte diskriminieren darf, weil sich ihre oder seine „normalen“ KundInnen beschweren könnten, warum einE RestaurantbetreiberIn ein lesbisches Pärchen ungestraft vor die Tür setzen darf und durch solches Verhalten Jobs entstehen, bleibt mir schleierhaft. Aber der Wahlkampf hat ja erst begonnen.

Und noch eine Frage am Rande: Wie sieht es denn mit einer nachhaltigen Frauenpolitik der Union aus? Klasse, wenn eine Frau an der Spitze steht, aber wie sieht es mit den restlichen Positionen aus? Nur Männer wie der gute Peter-Harry aus Schleswig-Holstein und eine weitere Quotenfrau für „Gedöns“, wir einst Gerhard Schröder die Familineministerin bezeichnet hat? Und die restlichen Frauen lieber wieder zurück an den Herd und zu den Kindern, wie Hamburgs Bürgermeisten von Beust im letzten Jahr noch gefordert hat? Oder beschränkst du nach einer eventuell erfolgreichen Wahl im Herbst dann darauf, das Bundeskanzerlamt in Bundeskanzlerinamt umzubenennen?

Ich bin gespannt, welche von diesen Fragen du offen und ehrlich beantworten wirst.

Lieben Gruß aus deiner Geburtsstadt,

KAI
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