Vertrauen, getäuscht.

Ich habe gerade bei Spreeblick einen Beitrag über „Uwe“ gelesen. Und der dort beschrieben Fall hat mich an ein eigenes Erlebnis erinnert. Die Details möchte ich jetzt nicht hier ausbreiten, denn es war eine Ecke persönlicher als das Erlebnis mit Uwe. Aber es hat mit einem Telefonat geendet, indem ich dann die Vorgeschichte meines Bekannten erfahren habe.

Er hat es perfekt verstanden, eine Fassade aufzubauen. Die letzten Jahre hatte er nicht als Designer in San Francisco verbracht, sondern wegen Betruges in Moabit gesessen. Und auch seine Pläne für ein selbstständiges Büro in Hamburg waren eher Luftschlösser als konkrete Planungen, obwohl die Ideen sehr gut waren. Aber er hat sich perfekt darauf verstanden, alles in einer Detailtiefe und den blumigsten Worten zu beschreiben, die an seinem Fachwissen und seiner Begeisterung für das Thema keinen Zweifel aufkommen liessen.

In dem Telefonat kam dann die Frage auf, ob ich seinen Aufenthaltort kennen würden. Er habe mit der Kreditkarte des einen Waren in die Wohnung eines anderen bestellt. Letzterer müsse nun den Kopf dafür hinhalten. Ausserdem war einiges an verliehenem und nun verlorenem Geld im Spiel sowie mehrere (!!!) gebrochene Herzen.

Zu meinem Glück beschränkte sich mein persönlicher Schaden auf einen sehr tiefen Kratzer im Ego und die Frage, wie eine Mensch so etwas tun könne. Besonders problematisch war es danach allerdings, auf neue Menschen zu zugehen. Immer wieder kam das Misstrauen hoch, es könne sich ja wieder um einen Betrüger handeln. Aber woran soll man das festmachen? Wo soll man die Grenze ziehen?

Ich glaube, am Ende bleibt einem nur, vorsichtig zu sein. Ohne einen anfänglichen Vertrauensbonus kann man nicht daran gehen, neue Menschen kennenzulernen. Oder soll man beim ersten Treffen gleich fragen „Moin, nett dich kennenzulernen. Aber bevor wir weiterreden hätte ich gerne deinen Auszug aus dem Strafregister, eine Schufa Auskunft und die letzten vier Arbeitszeugnisse gesehen. Und mein Freund dahinten macht eben schnell ein paar Bilder für die Regelanfrage beim Verfassungsschutz und dem BKA.“

Nein. So kann es einfach nicht laufen. Bleibt der Rat, einfach vorsichtig zu sein. Nicht nach zwei mal Kaffee trinken gleich den Wohnungsschlüssel und das Portemonnaie samt PIN-Codes herausgeben. Und auch nicht mal eben schnell ein paar Scheine über den Tisch schieben, als Leihgabe.

Danach wird es dann aber irgendwann schwer. Wenn die Person gegenüber eine sehr gute Fassade errichtet, einem eine ander Person vorspielt. Und zusätzlich diese Person vielleicht genau die Seiten in einem zum klingen bringt, die man selber genre hört. Dann wird es schwierig. Aber trotzdem dürfen solche Einzeltäter nicht das Grundvertrauen zerstören.

In diesem Sinne: Vertrauen ja, aber genauso vorsichtig sein.

[tags] Vertrauen, Betrug, Freunde [/tags]

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