Zwischenruf: Studiengebühren

An den Hamburger Unis werden zur Zeit die Exmatrikulationsbescheide für die Studentinnen und Studenten verschickt, die keine Studiengebühren gezahlt haben. An der Universität Hamburg sind das rund 1100 Stück, an der Hochschule für bildende Künste (HfbK) sind es sogar 269 von insgesamt 571 Studierenden, die sich einen Gebührenboykott an geschlossen haben. Zu dem entsprechenden Beitrag bei Welt Online habe ich den folgenden Kommentar geschrieben:

Das Grundproblem mit den Studiengebühren ist auch, das damit keine Anspruch auf Leistungen verbunden ist. Ich kann nicht, wie bei einem „normalen Geschäft“ mich beschweren, oder bei „Nichterfüllung des Vertrages“ die Zahlungen kürzen.

Aus meinen Erfahrungen in den Uni-Gremien werden mit den Studiengebühren nicht wirklich neue Leistungen für Studierende geschaffen. Statt dessen werden einfach die bisherigen Tutorien mit diesen Geldern bezahlt, und nicht wie bisher über den Fachbereichs- / Fakultätsetat. Den kann man dann viel besser in die Ausstattung der Forschungsgruppen stecken (Achtung: Ironie).

Und über neue Bücher mit dem Aufkleber „Finanziert aus Studiengebühren“ freue ich mich natürlich immer. Aber wenn ich meinen Pflichtseminarplatz nicht bekomme und deswegen länger Studieren muss, kann ich diese Relationen nicht mehr verstehen.

Und die Frage, ob man sich 1.000 Euro im Jahr als Student so einfach für nichts leisten kann, bleibt auch noch im Raum. Dazu kommen ja auch noch die Ausgaben für das (Pflicht-)Semesterticket von knapp 250 Euro. (hier immerhin mit einer hervorragenden Gegenleistung.)

Beim Bafoeg gilt: Der Gesamtbedarf eines nicht bei den Eltern wohnenden Studenten (einschließlich Kranken- und Pflegeversicherungszuschlag sowie Mietkostenzuschlag) beträgt 585 Euro. Einen Wohnheimplatz gibt es für knapp zwischen 200 Euro und 250 Euro im Monat. Weitere 125 Euro muss man im Monat an die Seite legen, um Studiengebühren und Semesterbreitrag aufbringen zu können. Bleiben (je nach Wohnheim) 210 bis 260 Euro zum Leben.

Zum Vergleich: Der Regelsatz von Hartz IV (ohne Mitekostenzuschuss) beträgt 347 EUR. Und dort gibt es schon eine Debatte, ob das zum Überleben ausreicht.

Also, wer meint, alle Studenten kaufen die teuren Brötchen, statt ihr 1000 Euro im Jahr für nichts an die Uni zu geben, der sollte einmal genau nachrechnen.

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2 Antworten to “Zwischenruf: Studiengebühren”

  1. Linda Says:

    und ich hab immer noch keine Rückmeldung… Wahrscheinlich wurde ich exmatrikuliert und der Brief kam nicht an😉

  2. Henning Says:

    Da habt ihr wenigstens günstige Wohnheimsplätze. Bei uns in Stuttgart geht das so bei 240 EUR erst los. Und das Studiticket kostet zusätzlich zum Studentenwerksbeitrag nochmal etwa 160 EUR pro Semester.

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