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Zwischenruf: Studiengebühren

2007-08-17

An den Hamburger Unis werden zur Zeit die Exmatrikulationsbescheide für die Studentinnen und Studenten verschickt, die keine Studiengebühren gezahlt haben. An der Universität Hamburg sind das rund 1100 Stück, an der Hochschule für bildende Künste (HfbK) sind es sogar 269 von insgesamt 571 Studierenden, die sich einen Gebührenboykott an geschlossen haben. Zu dem entsprechenden Beitrag bei Welt Online habe ich den folgenden Kommentar geschrieben:

Das Grundproblem mit den Studiengebühren ist auch, das damit keine Anspruch auf Leistungen verbunden ist. Ich kann nicht, wie bei einem „normalen Geschäft“ mich beschweren, oder bei „Nichterfüllung des Vertrages“ die Zahlungen kürzen.

Aus meinen Erfahrungen in den Uni-Gremien werden mit den Studiengebühren nicht wirklich neue Leistungen für Studierende geschaffen. Statt dessen werden einfach die bisherigen Tutorien mit diesen Geldern bezahlt, und nicht wie bisher über den Fachbereichs- / Fakultätsetat. Den kann man dann viel besser in die Ausstattung der Forschungsgruppen stecken (Achtung: Ironie).

Und über neue Bücher mit dem Aufkleber „Finanziert aus Studiengebühren“ freue ich mich natürlich immer. Aber wenn ich meinen Pflichtseminarplatz nicht bekomme und deswegen länger Studieren muss, kann ich diese Relationen nicht mehr verstehen.

Und die Frage, ob man sich 1.000 Euro im Jahr als Student so einfach für nichts leisten kann, bleibt auch noch im Raum. Dazu kommen ja auch noch die Ausgaben für das (Pflicht-)Semesterticket von knapp 250 Euro. (hier immerhin mit einer hervorragenden Gegenleistung.)

Beim Bafoeg gilt: Der Gesamtbedarf eines nicht bei den Eltern wohnenden Studenten (einschließlich Kranken- und Pflegeversicherungszuschlag sowie Mietkostenzuschlag) beträgt 585 Euro. Einen Wohnheimplatz gibt es für knapp zwischen 200 Euro und 250 Euro im Monat. Weitere 125 Euro muss man im Monat an die Seite legen, um Studiengebühren und Semesterbreitrag aufbringen zu können. Bleiben (je nach Wohnheim) 210 bis 260 Euro zum Leben.

Zum Vergleich: Der Regelsatz von Hartz IV (ohne Mitekostenzuschuss) beträgt 347 EUR. Und dort gibt es schon eine Debatte, ob das zum Überleben ausreicht.

Also, wer meint, alle Studenten kaufen die teuren Brötchen, statt ihr 1000 Euro im Jahr für nichts an die Uni zu geben, der sollte einmal genau nachrechnen.

Artikel:

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Knapp daneben.

2007-07-23

In der heutigen Ausgabe des Senatsblattes lässt sich Senator Dräger über die „Talentstadt Hamburg“ aus. Ein Konzept, mit dem einzig die die Attraktivität der Stadt für „High Potentials“ in Deutschland, Europa und der Welt gesteigert werden soll. Dieses Programm hat zwei gewaltige Fehler, die schon im Ansatz stecken. Zum einen werden die in Hamburg vorhandenen Talente und kreativen Potentiale dabei total vergessen. Und andererseits zielt es nur auf die Oberflächlichen Werbeeffekte wie Szeneviertel.

Es werden zwar auch  Ideen wie Technologiepark und Förderung der verschiedenen Universitäten, doch gerade vor dem Hintergrund
des massiven Ausdünnens der Masterstudiengänge und der Studiengebühren wird die Attraktivität des Standortes momentan eher
massiv gedrückt. Denn jemand, der extra für ein Studium nach Hamburg kommt, will es auch hier bis zum Master machen können. Oder nur den Master machen, wobei er dann auch noch in Konkurrenz zu den bisherigen Studenten tritt. Beides kann nicht das Ziel eines Werbens für den Standort sein.

Genauso problematisch ist es auch, kreative Viertel von obenherab zu verordnen, nur weil sie dem Standortmarketing dienlich sind. Keines der beschrieben Quartiere ist über Nacht oder durch Senatsbeschluss zu einem geworden. Durch günstige Mieten, engagierte AnwohnerInnen und kreative Zuzügler sind diese kreative und belebten Inseln entstanden. Einen solchen laufenden Prozess kann eine Stadt befördern, auch wenn sie in der Vergangenheit eher weniger mit diesen zu tun hatte. Die entgültige Frage, wo und welche Stadtteile am Ende das Rennen machen, ist offen. Hier kann eine vorzeitige senatliche Auszeichnung eher den Prozeß abwürgen, als ihm dienlich zu sein.

Achja. Herr Senator, Rotheburgsort mag zwar ein hohes kreatives Potential besitzen, aber es befindet sich auf jeden Fall nicht südlich der Elbe. Wer anderen Menschen Hamburg nahe bringen will, sollte sich schon ein wenig auskennen.