Abwehrstrategien

Am Wochenende hat die SPD Hamburg endlich ihren Spitzenkandidaten für die anstehenden Bürgerschaftswahlen gefunden.
Michael Naumann, ehemaliger Kulturstaatsminister und Mitherausgeber der Wochenzeitschrift „Die Zeit“, wurde mit einer nach den parteiinternen Streitereien überragenden Mehrheit gewählt. Aber nicht nur die SPD setzt ihre Hoffung auf ihn, auch in der CDU Hamburg werden erste Ansätze einer Abwehrstategie erkennbar. Letztere lässt immerhin erkennen, das die CDU hier eine echte Gefahr sieht, die nicht einfach wie Mathias Petersen übergangen werden kann.

Anscheinend versucht die CDU sich hier jetzt an dem gleichen Experiment, das schon die SPD im letzten Bundestagswahlkampf erfolgreich gegen den „Professor aus Heidelberg“ gesetzt hat. Allerdings wird hier vom „Berliner Kulturexperten“ gesprochen, der keine Ahnung von den Zuständen in Hamburg habe. Bei solchen Beschuldigungen muss die CDU nur aufpassen, auf welch dünnem Eis man sich bewegt. Denn auch Ole von Beust scheint nicht der Experte für die Zustände in Hamburg zu sein:

Hamburgs Erstem Bürgermeister Ole von Beust scheinen die Armenviertel seiner Stadt so etwas wie eine Terra incognita zu sein, nicht mehr zu seinem Herrschaftsbereich gehörend. »Manchmal setze ich mich abends in mein Auto, ziehe mir ein Käppi ins Gesicht und fahre in Viertel, in die man sonst nicht kommt«, vertraute er der ZEIT voriges Jahr in einem Interview an. Und staunend berichtete er: »Da sehen Sie Menschen, die von morgens bis abends auf einer Parkbank sitzen und sich an einer Dose Bier festhalten. Sie hören von Lehrern, dass Kinder montagmorgens hungrig in der Schule sitzen, weil die Eltern am Wochenende nicht für sie gekocht haben.«

(Quelle: Armutszeugnis für Hamburg, Die Zeit 32/2006)

Es bleibt abzuwarten, wie die in Teilen sehr konservative dominierte Hamburger Presselandschaft mit diesen Themen umgeht. Denn zwischen den Aussagen viele CDUler über die Zustände in Hamburg und den von den Menschen wahgenommenen klafft eine große Lücke. Und alleine mit den kurzgedachten Aktionsprogrammen im Angesicht der aufziehenden Wahlen wird man keinen Blumentopf gewinnen.

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3 Antworten to “Abwehrstrategien”

  1. Nils Says:

    Jaja, die CDU fängt schon an zu geifern und um-sich-zubeißen.

    Danke für das ZEIT-Zitat. Das wurde auch in einem anderen Artikel des Senatsblatts erwähnt, doch nun weiß ich, was damit gemeint war.

  2. dervanil Says:

    Ja, das ganze Dossier ist richtig gut. Und stellt den Anspruch „Wachsende Stadt“ mit der Realität gegenüber.

  3. Thomas Says:

    Das Problem des Absacken von Stadtteilen gab es auch schon zu SPD-Zeiten in den 80er. Da hat man seelenruhig zugeschaut wie Stadtteile von den städtischen Wohnungunternehmen und den Wohnungsämtern an die Wand gefahren wurden. Kurz vor dem Knall wurde dann mit Armutbekämpfung und Stadtteilentwicklung versucht zu retten was zu retten ist. Da ist auch viel Geld verpufft, aber hinterher kann man immer sagen: „Hätte man vieles anders machen können“. Auch bei den heutigen Programmen wird es nicht anders laufen. Es gibt einfach keinen „goldenen Weg“.

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