Phyrrussieg

Na toll. Der Senator hat sich ans Telefon geklemmt, mal eben mit zwei Kraftwerksbauern gesprochen und schon wird nur noch ein Kraftwerk gebaut. Eigentlich ja etwas gutes, denn für das nun nicht gebaute Kraftwerk hätte Müll aus ganz Norddeustschland nach Hamburg gekarrt werden müssen. Und auch der Chef der Norddeutschen Affinerie freut sich, denn er muss die Investitionen nicht selber tätigen, spart den Planungsaufwand und bekommt trotzdem billigen Strom. Auch die andere Seite, in diesem Fall der Vattenfall Konzern kann sich freuen. Ein sicherer Abnehmer für das neue Kraftwerk gefunden, gleichzeitig wächst der politische Rückhalt.

Verlierer ist jedoch die Stadt. Denn auch wenn nur noch ein Kraftwerk gebaut wird, die CO2 Bilanz der Stadt ist damit langfristig verhagelt. Und gleichzeitig soll Hamburg zur Modellregion für dem Klimaschutz werden. Irgendwie stört mich diese Diskrepanz zwischen den hochtrabenden Worten und den realen Handlungen. Aber es stellt sich ja auch ein Umweltminister Gabriel hin und kämpft einerseit gegen den Klimwandel, andererseits allerdings auch für Kohlekraftwerke.

Passenderweise hat auch die EU Kommission vor dem Bau neuer Kohlekraftwerke gewarnt. „Braunkohle ist, was die Treibhausgase angeht, die ungünstigste Wahl“, sagte EU-Umweltkommissar Stavros Dimas der „Bild am Sonntag“. „Wer heute noch neue Kohlekraftwerke baut, muss sich im Klaren sein, dass eine solche Politik uns alle langfristig teuer zu stehen kommt.“

Ungeachtet dieser Kritik sind in Deutschland momentan 26 neue Kohlekraftwerke geplant, die dann für die nächsten 30 Jahre als Klimakiller in der Landschaft stehen sollen. Man bekommt ein wenig das Gefühl, die Stromwirtschaft will sich für den Atomaustieg rächen. „Du lässt mich meine Gelddruckmaschinen nicht länger laufen, Deutschland, dafür pflaster ich dich mit Klimakillern zu“.

Na denn… Prost!

PS: Das Senatsblatt spricht im Kommentar von einem tollen Erfolg in der Umweltpolitik. Ja, stimmt… Statt 8 Millionen Tonnen CO2 im Jahr werden nun 600.000 Tonnen weniger pro Jahr ausgestossen…. Wer davon spricht, dass man „pragmatisch vernünftige Umweltpolitik machen kann“, hat die Situation nicht verstanden. Es geht nicht um pragmatische kleine Schritte, sondern um langfristig richtungsweisende Entscheidungen. Und die dürfen nicht pragmatisch sein, sondern müssen radikal Prioritäten setzen. Und das ist Aufgabe der Politik!!!

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4 Antworten to “Phyrrussieg”

  1. Michael Hartwig Says:

    Neben dem schon angeprangerten CO2-Ausstoß kommen ja zwei weitere – in meinen Augen mindestens genauso schlimme – Gesichtspunkte hinzu:

    1. Der Wirkungsgrad des neuen Kraftwerks wird nur knapp über 50 % liegen. Fast die Hälfte der Energie verpufft sinnlos in Form von Wärme, die man am Standort Moorburg nicht gebrauchen kann.

    2. Damit die ganze Anlage nicht zu heiß wird, braucht sie eine regelmäßige Kühlung. Die Wärme (s.o.), die man bei einem anderen Standort vielleicht ins Fernwärmenetz einspeisen könnte, muss aufwendig vernichtet werden. Weil das mit Kühltürmen nicht geht (die würden viel zu groß), soll eine Durchlaufkühlung mit Elbwasser gebaut werden. Was das für die Elbe bedeutet, kann sich wohl jeder vorstellen!

  2. Rainer Says:

    Langsam formiert sich in HH auch eine Protestbewegung gegen das Kraftwerk Moorburg. Unter http://www.kohle-killt-klima.de gibts mehr Infos, u.a. einen Mailverteiler für Protest-Updates.

  3. Kohle killt Klima | Dervanil Says:

    […] noch solche Probleme wie die Abwärme. Gerade hat sich ja der Hamburger Senat für seinen Phyrrussieg über ein Müllkraftwerk feiern lassen. Während im Abendblatt (von manchem auch […]

  4. Harald B. Says:

    Z.B. hinterm Ural brennt jedes Jahr im Sommer eine Fläche von der Größe der Bundesrepublik! Die anderen Waldbrände wie Yosemite USA, Frankreich, Spanien, Portugal, Griechenland und Australien kommen jedes Jahr dazu!
    Wie lange müssen wir wohl Auto fahren oder mit Kohlekraftwerken die Luft verpesten???? Ich denke mindestens 1000 Jahre!!!

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