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Fassungslos…

2007-05-15

sitze ich hier und lese die Ergebnisse der Koalitionsrunde in Berlin zum Thema Krippenplätze. Erfreulich ist der Wille, die Krippenplätze auszubauen und auch den Rechtsanspruch zu verwirklichen. Aber wenn ich dann lese, es soll eine „Erziehungsprämie“ geben, für Eltern, die ihre Kinder nicht in die Krippe geben wollen, kann ich nur mit dem Kopf schütteln.

Klar, es ist ein Zugeständnis an die ganz Konservativen, die inzwischem mit einer Frau im Kanzleramt leben müssen, ansonsten jedoch gerne die Frau an sich auf den Raum zwischen Herd und Kinderbettchen beschränken würden. Aber welche Folgen hat so eine Prämie? Bei gute gestellten Familien wird es keinen Unterschied machen, die werden einfach nach dem besten für das Kind entscheiden, und dabei auch über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nachdenken und dann zu einer sinnvollen Lösung kommen.

Eine junge Familie oder auch ein alleinerziehender Elternteil, die in einer präkererer Lage sind, werden es sich zweimal überlegen. Dann werden die Kinder zu Hause bleiben, damit man diese Prämie einstreichen kann. Wer von Hartz IV lebt, für den sind 150,- EUR ein entscheidender Unterschied. Außerdem werden die Krippenplätze ja nicht Kostenfrei sein. Diese Prämie setzt also die Schwelle gerade für die Kinder herauf, die viel entscheidender eine Förderung über das Elternhaus brauchen.

Denn die diversen Schulstudien haben ja mehrfach den Zusammenhang zwischend er sozialen Situation zu Hause und dem Schulerfolg der Kinder festgestellt. Gerade die sozial schwachen können selbst bei bestem Willen oft einem Kind nicht die Förderung, die Denkanstösse und die Bildungschancen eröffnen, die sie ja auch selber nicht bekommen haben. Hier muss durch sinnvolle Massnahmen frühzeitig eine Ergänzung stattfinden.

Leider wird dieses durch eine Stoibersche Erziehungsprämie glatt ins Gegenteil verkehrt. Schade, dass die SPD einem solchen Programm der sozialen Selektion zugestimmt hat.

Streit um das Kindeswohl

2007-02-19

Es ist ja eine spannende Debatte. Frau von der Leyen hat anscheinend innerhalb der Union ein Thema auf die Tagesordnung gebracht, das auch innerhalb der Gesellchaft sehr kontrovers gesehen wird. Wer soll sich um die „Kleinen“ kümmern. Ist es besser, Mutter sitz mit dem Kind zu Hause, oder das Kind wird schon nach dem ersten Lebensjahr in eine Kita gebracht.

Im Blog der Tageschau geht es zu diesem Thema auch schon hoch her. In einem Kommentar bezieht „Susanne v. Puttkamer“ eindeutig Position und erhebt schwere Vorwürfe. Kinder gehören mit der Mutter nach Hause. „Für Kleinkinder (unter 3 Jahren) ist die individuelle Betreuung in der Familie besser, als die kollektive Betreuung außerhalb. Dass diese über jahrzehnte gefestigte und im wesentlichen unbestrittene wissenschaftliche Erkenntnis konsequent bei der Debatte ignoriert wird, hat Methode.“

Ganz so einfach ist es dann wohl nicht. Nur weil man lange nach einer Methode verfahren ist, muss sie nicht richtig sein. Aus meiner männlich-laienhaften Sicht ist das erste Argument gegen diese Ansicht ein praktisches. Nur weil man genetisch in der Lage ist, Kinder zu bekommen, ist man nicht automatisch ein pädagogisches Genie. Es gibt empirische nachweisbar Techniken, wie man Kinder eher besser oder eher schlechter erziehen kann. Niemand würde es wagen, Autofahren ohne Führerscheinprüfung zu fordern. Andererseits wird gibt es keine Prüfung, bevor Mensch Mutter (oder Vater) werden darf.

Nur nicht Missverstehen, ich fordere hier keinen Elternführerschein. Jedoch bin ich fest überzeugt, dass gerade hier eine gewisse pädagogische Begleitung des Heranwachsens durchaus sinnvoll ist. Stellt sich die Frage, ab wann das wichtig ist. Das hängt wohl von vielen Faktoren ab. Insbesondere der Bildungsstand der Eltern scheint hier eine wichtige Rolle zu spielen. Letzteres hat ja auch die Pisa-Studie belegt.

Hier liegt auch ein entscheidender Punkt, der in den Debatten oft übersehen wird. Wer auf hohem sprachlichen Niveau die Debatte führt, von der „Familienmanagerin“ wie im Werbespot eines Staubsaugerherstellers spricht und über die Rückkehr „in einen qualifizierten Beruf“ nachdenkt, hat die Wahl. Und entscheidet sich für den einen Weg. Das ist zu respektieren (nicht meine Entscheidung, aber ich bin auch nicht in dieser Situation). Aber es gibt auch viele Eltern (oder besser: Mütter), die sich gerne anders entscheiden wollen. Und das ist ihr gutes Recht. Leider sind einfach die Rahmenbedingungen noch nicht gegeben, dass sich Mütter frei für den einen oder den anderen Weg entscheiden können. Ohne geeignete KiTa im Ort geht es dann nun mal nicht.