Archive for März 2006

Bauernopfer

2006-03-21

Die Protokollaffaire um den Parlamentarische Untersuchungsausschuß hat erste Konsequenzen nach sich gezogen. Direkt aus dem Urlaub zurück, meinte Bürgermeister von Beust ein Zeichen setzten zu müssen und hat den letzten Staatsrat aus SPD-Zeiten Klaus Meister in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Dem frischen Ruheständler wurde die Entscheidung mit Begründung telefonisch mitgeteilt, da sich dieser noch im Urlaub auf Gran Canaria befindet.

Die Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand des 60jährigen sei erfolgt, da „der Staatsrat die politische und persönliche Verantwortung für Unregelmäßigkeiten in seiner Behörde trägt“. Dem Senatorin-Vertreter in der Sozialbehörde seien die Protokolle zur Vorbereitung seiner Aussage angeboten worden, er habe dieses allerdings richtigerweise abgelehnt. Allerdings habe er im Anschluss keine Schritte unternommmen, die wiederrechtlich erlangten Protokolle zurück an den Ausschuss zu geben und den Umlauf in seiner Behörde zu unterbinden.

Interessanterweise wird diese Sichtweise nicht auf den Senator Kusch übertragen. Auch dieser hatte Kenntnis von Protokollen in seiner Behörde, die Zirkulation allerdings nicht unterbunden. Allerdings seien die Mitarbeiter der Justizbehörde nur „zufällig“ auf den Verteiler gekommen. Und Kusch habe sich mit den Protokollen nicht auf seine Aussage vorbereiten können, denn genau diese wird ja in den Protokollen wiedergegeben.

Eine komische Sichtweise. Entweder ein Vorgesetzter macht sich schuldig, weil er nichts gegen die Verbreitung der eigentlich vertraulichen Protokolle unternimmt, oder eben nicht. Aber hier unterschiedliche Sichtweisen und den Zufall einzuführen finde ich eher verschleiernd als aufklärend. Auch wirkt der Staatsrat wie ein Bauernopfer. Oder, auf Grund seiner Position und um im Bild zu bleiben, wie ein Turm, der zwischen König und Bedrohung gestellt und geopfert wird.

Meister hat kein Protokoll gelesen, wusste aber von der Existenz in seiner Behörde und muss gehen. Kusch hat kein Protokoll gelesen, wusste aber von der Existenz in seiner Behörde und darf bleiben. Komisch.

[tags] kusch, hamburg, justiz, skandal, pua [/tags]

Instant Gay Accent…

2006-03-20

DSC00228 … gibt es jetzt auch zu kaufen. Einfach Packung aufreissen und ein wenig des Mundsprays anwenden. Schon wird sich dein Leben für immer ändern.

Das ganze wurde auch wissenschaftlich hergestellt, verfeinert mit „a touch of class“. Da kann man ja nur noch erfolgeich werden. Zumindest ist es so der zitierten männlichen Person auf der Rückseite ergangen, die nach dem Genuß mehreren Aerobic-Videos für Männer herausgebracht hat und auch seine eigene Design-Linie erschaffen konnte.

Allerdings ist der kleingedruckte Warnhinweis am Rande ernst zu nehmen: „Talent not included!“

[tags]Aerobic, Gay, instant[/tags]

Die Tom & Jerry Verschwörung

2006-03-19

Auf den Seiten von Telepolis gibt es einen Bericht über die Tom-und-Jerry-Verschwörung der westlichen Welt. Ausgangspunkt dieser Verschwörunsgtheorie sind die doch anscheinend harmlosen Tom & Jerry Zeichentrickfilme. In diesen würde doch das Image der Maus aufgewertet, so der iranische Professor Hassan Bolkhari. Und wenn Mäuse vorher dreckig und abstossend wären, so seien sie jetzt süss und lieb. Und spätestens seit Schindlers Liste wäre auch klar, das Mäusetum eine Synonym für das Judentum sein.

Mal wieder wird in Teheran an der antisemitischen Propagandaschraube gedreht. Und ich bleibe mit einem gewissen Unverständnis hier stehen, denn ich kann einen solchen Hass auf andere Menschen einfach nicht nachvollziehen. Und einen Menschen auf seine Religion zu reduzieren ist oberflächlicher als die ganze schwule Szene.

Denn ich sehe an der ersten Stelle einen Menschen, unabhänig von Aussehen, Geschlecht, Religion, sexueller Orientierung oder anderer Gründe. Natürlich entwickeln sich dann individuelle Bewertungen und unterschiedliche Einstellungen zu einer Person, aber diese werden nicht auf alle Personen mit einen vergleichbaren Merkmal übertragen.

Leider ist diese Auffassung nicht verbreitet. Ob die USA in Guantanamo Menschen ohne Anklage oder Verfahren einsperren und auch noch ihre Klagemöglichkeiten gegen diese Praxis stark beschränken wollen, Minderjährige im Iran hingerichtet werden, weil sie schwul sind, oder ob in Deutschland die soziale Herkunft das Selektionskriterium in unserem Bildungssystem ist, die Menschenrechte brauchen noch viel Arbeit, um so universell Geltung zu finden wie ihr Anspruch es vorgibt.

An dieser Stelle ist es ja sehr bezeichnend, das mit den USA ausgerechnet das Gründungsland der Menschenrechtskommission gegen die Einrichtung des neuen Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen gestimmt hat.

Vertrauen, getäuscht.

2006-03-17

Ich habe gerade bei Spreeblick einen Beitrag über „Uwe“ gelesen. Und der dort beschrieben Fall hat mich an ein eigenes Erlebnis erinnert. Die Details möchte ich jetzt nicht hier ausbreiten, denn es war eine Ecke persönlicher als das Erlebnis mit Uwe. Aber es hat mit einem Telefonat geendet, indem ich dann die Vorgeschichte meines Bekannten erfahren habe.

Er hat es perfekt verstanden, eine Fassade aufzubauen. Die letzten Jahre hatte er nicht als Designer in San Francisco verbracht, sondern wegen Betruges in Moabit gesessen. Und auch seine Pläne für ein selbstständiges Büro in Hamburg waren eher Luftschlösser als konkrete Planungen, obwohl die Ideen sehr gut waren. Aber er hat sich perfekt darauf verstanden, alles in einer Detailtiefe und den blumigsten Worten zu beschreiben, die an seinem Fachwissen und seiner Begeisterung für das Thema keinen Zweifel aufkommen liessen.

In dem Telefonat kam dann die Frage auf, ob ich seinen Aufenthaltort kennen würden. Er habe mit der Kreditkarte des einen Waren in die Wohnung eines anderen bestellt. Letzterer müsse nun den Kopf dafür hinhalten. Ausserdem war einiges an verliehenem und nun verlorenem Geld im Spiel sowie mehrere (!!!) gebrochene Herzen.

Zu meinem Glück beschränkte sich mein persönlicher Schaden auf einen sehr tiefen Kratzer im Ego und die Frage, wie eine Mensch so etwas tun könne. Besonders problematisch war es danach allerdings, auf neue Menschen zu zugehen. Immer wieder kam das Misstrauen hoch, es könne sich ja wieder um einen Betrüger handeln. Aber woran soll man das festmachen? Wo soll man die Grenze ziehen?

Ich glaube, am Ende bleibt einem nur, vorsichtig zu sein. Ohne einen anfänglichen Vertrauensbonus kann man nicht daran gehen, neue Menschen kennenzulernen. Oder soll man beim ersten Treffen gleich fragen „Moin, nett dich kennenzulernen. Aber bevor wir weiterreden hätte ich gerne deinen Auszug aus dem Strafregister, eine Schufa Auskunft und die letzten vier Arbeitszeugnisse gesehen. Und mein Freund dahinten macht eben schnell ein paar Bilder für die Regelanfrage beim Verfassungsschutz und dem BKA.“

Nein. So kann es einfach nicht laufen. Bleibt der Rat, einfach vorsichtig zu sein. Nicht nach zwei mal Kaffee trinken gleich den Wohnungsschlüssel und das Portemonnaie samt PIN-Codes herausgeben. Und auch nicht mal eben schnell ein paar Scheine über den Tisch schieben, als Leihgabe.

Danach wird es dann aber irgendwann schwer. Wenn die Person gegenüber eine sehr gute Fassade errichtet, einem eine ander Person vorspielt. Und zusätzlich diese Person vielleicht genau die Seiten in einem zum klingen bringt, die man selber genre hört. Dann wird es schwierig. Aber trotzdem dürfen solche Einzeltäter nicht das Grundvertrauen zerstören.

In diesem Sinne: Vertrauen ja, aber genauso vorsichtig sein.

[tags] Vertrauen, Betrug, Freunde [/tags]

Und noch eine Front…

2006-03-15

Es ist irgendwie ein wenig frustrierend. Ich habe noch so viele Dinge im Kopf, über die ich gerne schreiben würde. Aber am Ende kommt doch immer ein Kusch dazwischen. Mensch könnte fast seine Uhr danach stellen. Oder zumindest den Kalendar: „Oh, schon wieder eine neue Affaire für Kusch, dann ist heute also Mittwoch“…

Dieses mal ist hat er allerdings selber wenig getan, sondern ist nur in den Sog einer anderen Affaire geraten. Momentan gibt es in der Hamburgischen Bürgerschaft einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuß (PUA), der sich mit dem geschlossenen Heim für auffällige Jugendliche beschäftigt. Dort sind Jugendliche ohne die entsprechende rechtliche Grundlage eingesperrt und zum Teil auch mit Betäubungsmittel ruhig gestellt worden. Ausserdem gibt es massive Zweifel, ob die privaten Sicherheitskräfte über die entsprechende pädagogische Ausbildung verfügen. Dazu kommen noch mehrere Ausbrüche und einiges anderes. Auf jeden Fall ist dort anscheinend vieles schief gelaufen.

Unter anderem wurden auch leitende Mitarbeiter der beteiligten Behörden und einige SenatorInnen als Zeugen vorgeladen. Da ein PUA nach den Regel der Strafprozeßordnung abläuft, dürfen Zeugen von den Aussagen der vorhergehenden keine Kenntnis haben, zumindest nicht den genauen Wortlaut. Da sich solch ein PUA über relativ lange Zeit hinzieht, werden deswegen die Protokolle unter Verschluss gehalten.

So weit, so schön. Leider wurde sich daran nicht gehalten. Über die Senatskanzlei wurden diverse Behörden und Mitarbeiter mit den Protokollen versorgt. Dabei vor allem Personen, die noch nicht vor dem Ausschuss ausgesagt haben, allerdings noch vorgeladen sind. Auch stellt sich die Frage, in wie weit bisherige Aussagen aufeinander abgestimmt werden konnten.

Doch nun zu Kusch. Seine Justizbehörde hat das Protokoll seiner Aussage aus der Sentaskanzlei unangefordert erhalten. Zwar steht es ihm zu, das Protokoll seiner eigenen Aussage zu erhalten, besonders vor dem Hintergrund der beantragten Beugehaft. Dennoch muss es erst offiziell beantragt werden, und nicht mal eben so verschickt werden.

Besonder beeindruckend ist die Rechtfertigung für diesen Vorgang. Justizsenator Kusch habe angenommen, es handele sich um eine „kleine Wiedergutmachung für die vollkommen inakzeptable Behandlung“.

[tags] kusch, hamburg, rathaus, politik, justiz[/tags]

Lasagne vs. TX

2006-03-14

Tja, das freut einen doch, wenn man auch mal dafür erwähnt wird, wenn man Freunde durchfüttert. Und immerhin wurde auch die Lasagne als lecker bezeichnet. Aber es war schon ein netter Abend, auch wenn wir am Ende gemeinsam vor dem Fernseher gesessen haben und zugesehen, wie in „Terminator 3“ die Erde untergeht. Okay, es ist weniger geredet worden als im zweite Teil.

Und um auf das Essen mit Freunden zurück zu kommen. Ich koche sehr gerne und probiere dabei immer wieder neue Dinge aus. Oder verändere nur die Details an einem Gericht, das ich schon x-Mail gekocht habe. Aber alleine macht das wenig Spass. Zumindest zum Essen hinterher sollte dann doch jemand da sein, mit dem man die Früchte der Arbeit teilen kann. Oft wird aus einem netten Essen mit drei oder vier Leuten und etwas Wein ja auch ein super Abend mit viel Diskussionen und unterhaltsamen Gesprächen.

Von daher darf sich der Knu sicher sein, auch weiterhin des öfteren vor einem mit leckerem Essen gefüllten Teller zu sitzen, neben dem der passende Wein steht. Und ich muss mir dann nie Sorgen machen, es könnte zu viel sein oder am Ende etwas übrig bleiben.

[tags] Freunde, Film, Kochen [/tags]

Ein Herz für Hooligans

2006-03-13

Er kann es nicht lassen. Dieses mal hat Justizsenator Roger Kusch die Bundesjustizministerin Brigitte Zypries kritisiert, da diese angeblich Schnellverfahren zu Fussball-WM einführen wollen.

Nur leider hat er damit ein wenig zu weit geschossen. Denn wie diese jetzt klargestellt hat, ging es ihr nur um eine konsequente Anwendung von bestehendem Recht. Denn genau für Massenveranstaltungen wie Fußball-Tourniere ist es möglich, bei klarer Beweislage Freiheitsstrafen von bis zu einem Jahr zu verhängen.

Und vor diesem Hintergrund habe Zypries dazu aufgerufen, auch die entsprechenden Rahmenbedingungen zu setzten, damit von diesen Möglichkeiten überhaupt gebrauch gemacht werden kann. Also beispielsweise Dienst- und Bereitschaftszeiten bei Staatsanwaltschaften und Gerichten entsprechend zu planen.

Jetzt stellt sich ein wenig die Frage, warum Kusch sich ausgerechnet in diesem Fall so dagegen wehrt. Denn beim Jugendstrafrecht oder der geschlossenen Anstalt Feuerbergstrasse macht er sich wesentlich weniger Sorgen und Bedenken.

Aus der Justizbehörde verlautete, Gesetze müßten ohne Ansehen der Person gleichförmig angewendet werden und nicht wegen der WM intensiver als davor oder danach. Stellt sich dann nur die Frage, warum entsprechende Regelungen überhaupt eingeführt wurden. Und das bestimmt nicht gegen die Stimmen der (Bundes-) CDU.