Abwehrstrategien

2007-03-26

Am Wochenende hat die SPD Hamburg endlich ihren Spitzenkandidaten für die anstehenden Bürgerschaftswahlen gefunden.
Michael Naumann, ehemaliger Kulturstaatsminister und Mitherausgeber der Wochenzeitschrift „Die Zeit“, wurde mit einer nach den parteiinternen Streitereien überragenden Mehrheit gewählt. Aber nicht nur die SPD setzt ihre Hoffung auf ihn, auch in der CDU Hamburg werden erste Ansätze einer Abwehrstategie erkennbar. Letztere lässt immerhin erkennen, das die CDU hier eine echte Gefahr sieht, die nicht einfach wie Mathias Petersen übergangen werden kann.

Anscheinend versucht die CDU sich hier jetzt an dem gleichen Experiment, das schon die SPD im letzten Bundestagswahlkampf erfolgreich gegen den „Professor aus Heidelberg“ gesetzt hat. Allerdings wird hier vom „Berliner Kulturexperten“ gesprochen, der keine Ahnung von den Zuständen in Hamburg habe. Bei solchen Beschuldigungen muss die CDU nur aufpassen, auf welch dünnem Eis man sich bewegt. Denn auch Ole von Beust scheint nicht der Experte für die Zustände in Hamburg zu sein:

Hamburgs Erstem Bürgermeister Ole von Beust scheinen die Armenviertel seiner Stadt so etwas wie eine Terra incognita zu sein, nicht mehr zu seinem Herrschaftsbereich gehörend. »Manchmal setze ich mich abends in mein Auto, ziehe mir ein Käppi ins Gesicht und fahre in Viertel, in die man sonst nicht kommt«, vertraute er der ZEIT voriges Jahr in einem Interview an. Und staunend berichtete er: »Da sehen Sie Menschen, die von morgens bis abends auf einer Parkbank sitzen und sich an einer Dose Bier festhalten. Sie hören von Lehrern, dass Kinder montagmorgens hungrig in der Schule sitzen, weil die Eltern am Wochenende nicht für sie gekocht haben.«

(Quelle: Armutszeugnis für Hamburg, Die Zeit 32/2006)

Es bleibt abzuwarten, wie die in Teilen sehr konservative dominierte Hamburger Presselandschaft mit diesen Themen umgeht. Denn zwischen den Aussagen viele CDUler über die Zustände in Hamburg und den von den Menschen wahgenommenen klafft eine große Lücke. Und alleine mit den kurzgedachten Aktionsprogrammen im Angesicht der aufziehenden Wahlen wird man keinen Blumentopf gewinnen.

Verplante Planer

2007-03-22

Irgendwie haben die Planer der Stadt in der letzten Zeit kein Händchen für Kostenschätzungen bei großen öffentlich finanzierten Bauprojekten. Erst die Elbphilhamonie, dann die Ortsumgehung Finkenwerden und jetzt auch noch die (sowieso überflüssige) U4. Und jedesmal sind es Fehler zu lasten des städtischen Haushaltes, die in Teilen auf eindeutige Fehler bei den Planungen zurückgehen.

So soll der ReGe laut Abendblatt „offenbar ein eklatanter Planungsfehler“ im Zusammenhang mit den Kostensteigerungen bei der geplanten Ortsumgehung Finkenwerder unterlaufen sein. Es sei einfach vergessen worde, die besondere Bodenbeschaffenheit einzubeziehen. Allein dadurch werden die Kosten um zwölf Millionen Euro gesteigert. Aber auch weitere zusätzliche Baumassnahmen, Planungen und „Zusatzkosten im einstelligen Millionenbereich, an die in der Behörde zuvor augenscheinlich keiner gedacht hat“.

Schon bei den Planungen zur Elbphilharmonie hat die ReGe, die als Realisierungs Gesellschaft für die Massnahmen rund um die Zuschüttung des Mühlenberger Loches und die Erweiterung des Airbus Betriebsgeländes von der Stadt Hamburg gegründet wurde, massive Kostensteigerungen innerhalb der Planungsphase einräumen müssen. Angesichts der erheblich gestiegenen Baukosten stieg auch der Zuschussbedarf aus öffentlichen Mitteln nun auf rund 132 Millionen.

Diese wurde von GAL Hamburg (hier) und auch der GAL Fraktion (hier) massiv kritisiert, denn die erste Zustimmung war eigentlich an eine Obergrenze von 77 Millonen gebungen. Bei der Einsicht in die Planungsunterlagen kam man allerdings zu dem Schluss, dass die Kostensteigerungen weitesgehend nicht spontan beziehungsweise durch Um- und Erweiterungsplanungen entstanden seien, sondern dem Projekt schon von Anfang an innegewohnt hätten. Hier stellt sich die Frage, wie solche Fehler geschehen konnten.

Und heute die nächste Kostensteigerung. Auch ein grosses öffentliches Bauprojekt im Bezirk Mitte. Die neue U-Bahnlinie U4, die im Prinzip aus zwei Haltestellen in der Hafencity besteht, soll um mindestens 43 Millionen teurer werden. Manche der Gründe, wie gestiegen Stahlpreise und höhere Mietkosten für die Tunnelbohrmaschine, kann man nachvollziehen. Warum aber Entschädigungen für Grundeigentümer nicht von Anfang an eingeplant wurden, ist schwer verständlich.

Besonders bedenklich: Der Senat hatte bei der Kosten-Nutzen Rechnung nur sehr knapp unter der Grenze für Bundeszuschüsse gelegen, aber erst nachdem die Rechnungen mehrfach durchgeführt wurden. In ersten Gutachten hatte der Kosten/Nutzen Faktor weit abseits der Förderungsfähigkeit gelegen. Durch die jetzigen Steigerungen muss auch der Bundeszuschuß von 133 Millionen als zumindest gefährdet angesehen werden.

Dieses einmal außen vor gelassen, ergeben sich aus den drei Projekten Kostensteigerungen von 123 Millionen, oder umgerechnet Steigerungen um knapp 20% gegenüber den vorherigen Zahlen. Und das innerhalb von nur drei Monaten. Ich will gar nicht wissen, was bei den milliardenschweren Projekten im Hafenbereich passiert, wenn dort Kostensteigerungen in der gleichen Größenordnung durch Planungsfehler fällig werden sollten.

Schweden hat entschieden.

2007-03-11

Gestern abend hat Schweden die Wahl gehabt, wer das Land beim Grandprix in Helsinki vertreten darf. Im Finale des Melodiefestivalen konnte sich mein persönlicher Favourit „The Ark“ mit einem klaren Vorsprung durchsetzten.

Hier der Beitrag, den es schon bei einem der Vorentscheidungen zu sehen gab. Es überrascht doch immer wieder, das so ein kleines Land wesentlich mehr Künstlerinnen und Künstler für eine Kandidatur animieren kann. Wenn ich da an unsere drei Möglichkeiten denke, die zur Wahl standen, wobei ich immerhin von der Idee, mal Big Band Jazz zum Grand Prix zu senden ganz begeistert bin. Aber erst mal der Beitrag von The Ark:

Peinlich II

2007-02-25

Heute sollte es soweit sein. Endlich wollte die SPD in einer Mitgliederbefragung herausfinden, wer gegen Ole von Beust als Spitzenkandidat Anfang nächsten Jahres antreten soll. In der letzten Zeit hatte die SPD nicht inhaltliche Punkte setzen können, sondern in der Presse über den besseren Kandidaten gestritten. Inklusive von Gerüchten, Beschuldigungen und dem einen oder anderen Schlag unter die Gürtellinie.

Aber daraus wird nun nichts. Nachdem aus der verschlossenen Urne über tausend Briefwahlbögen verschwunden sind, wurden die Befragung gestoppt und auch der Parteitag, auf dem das Ergebnis offiziell bestätigt werden sollte, abgesagt. Ein neuer Versuch soll Ende März erfolgen. Zumindest wird dieses so bei Hamburg1 berichtet. Bis dahin wird dann wohl auch das öffentliche Graben Ausheben der beiden Lager hinter den beiden KandidatInnen weiter voran gehen.

Aus Grüner Sicht bin ich sehr gespannt, ob und wie die SPD aus dieser Problemlage heraus kommt. Und ob nicht das Personalgerangel im Moment der beste Weg ist, die in mehren Umfragen schon verlorene absolute Mehrheit der CDU zu retten.

Peinlich I

2007-02-25

Die Polizei, dein Freund und Helfer. Aber anscheinend nicht in Fragen der Orthografie. Wenn schon auf einer offiziellen Visitenkarte der Name der Stadt nicht richtig geschrieben wird… Dann gute Nacht.

[photopress:visitenkarte_polizei.JPG,full,centered]

Danke Karl-Heinz für die reale Vorlage.

Klatschstatistik

2007-02-24

Bei der Hamburger SPD gibt es momentan ein Problem. Nach diversern innerparteilichen Steitigkeiten entscheiden an diesem Wochenende die Parteimitglieder über die Spitzenkandidatin bzw. den Spitzenkandidaten der Partei für die Bürgerschaftswahlen im nächsten Jahr. Zur Wahl stehen der Parteivorsitzende Mathias Petersen und seine Stellvertreterin Dorothee Stapelfeldt.

Im Vorfeld dieser Entscheidung gab es diverse Kandidatenhearings in den Hambruger Bezirken. Regelmässig wurde dabei in der Presseberichterstattung versucht, Zustimmung und Ablehnung zu den beiden kandidierenden Personen aus dem Verhalten des Publikums abzuleiten.

Das Hamburger Abendblatt ist jedoch ein wenig übers Ziel herausgeschossen. Man kann jetzt exakt nachlesen, wie lang bei welchen Phrasen das Publikum wie laut applaudiert hat. Einmal für Petersen und einmal für Stapelfeldt.  So verfährt man also, wenn man keine passende Umfrage bekommen kann, keine andere Basis für Spekulationen und Berichterstattung.

In einem Punkt ist es verstädnlich, denn inhaltlich wird dieses Rennen um die Spitzenkandidatur nicht ausgeführt. Beide stehen für eine ähnliche Politik, sind dem gleichen Flügel zugeordnet. In Detailfragen gibt es Differenzen, die dann auch diskutiert werden.

Am Ende kann man als Grüner nur hoffen, dass die SPD nach der Entscheidung zur Geschlossenheit  zurück findet, damit Anfang 2008 die absolute Mehrheit und der damit verbundene Murks der von Beust CDU endlich beendet werden kann.

Streit um das Kindeswohl

2007-02-19

Es ist ja eine spannende Debatte. Frau von der Leyen hat anscheinend innerhalb der Union ein Thema auf die Tagesordnung gebracht, das auch innerhalb der Gesellchaft sehr kontrovers gesehen wird. Wer soll sich um die „Kleinen“ kümmern. Ist es besser, Mutter sitz mit dem Kind zu Hause, oder das Kind wird schon nach dem ersten Lebensjahr in eine Kita gebracht.

Im Blog der Tageschau geht es zu diesem Thema auch schon hoch her. In einem Kommentar bezieht „Susanne v. Puttkamer“ eindeutig Position und erhebt schwere Vorwürfe. Kinder gehören mit der Mutter nach Hause. „Für Kleinkinder (unter 3 Jahren) ist die individuelle Betreuung in der Familie besser, als die kollektive Betreuung außerhalb. Dass diese über jahrzehnte gefestigte und im wesentlichen unbestrittene wissenschaftliche Erkenntnis konsequent bei der Debatte ignoriert wird, hat Methode.“

Ganz so einfach ist es dann wohl nicht. Nur weil man lange nach einer Methode verfahren ist, muss sie nicht richtig sein. Aus meiner männlich-laienhaften Sicht ist das erste Argument gegen diese Ansicht ein praktisches. Nur weil man genetisch in der Lage ist, Kinder zu bekommen, ist man nicht automatisch ein pädagogisches Genie. Es gibt empirische nachweisbar Techniken, wie man Kinder eher besser oder eher schlechter erziehen kann. Niemand würde es wagen, Autofahren ohne Führerscheinprüfung zu fordern. Andererseits wird gibt es keine Prüfung, bevor Mensch Mutter (oder Vater) werden darf.

Nur nicht Missverstehen, ich fordere hier keinen Elternführerschein. Jedoch bin ich fest überzeugt, dass gerade hier eine gewisse pädagogische Begleitung des Heranwachsens durchaus sinnvoll ist. Stellt sich die Frage, ab wann das wichtig ist. Das hängt wohl von vielen Faktoren ab. Insbesondere der Bildungsstand der Eltern scheint hier eine wichtige Rolle zu spielen. Letzteres hat ja auch die Pisa-Studie belegt.

Hier liegt auch ein entscheidender Punkt, der in den Debatten oft übersehen wird. Wer auf hohem sprachlichen Niveau die Debatte führt, von der „Familienmanagerin“ wie im Werbespot eines Staubsaugerherstellers spricht und über die Rückkehr „in einen qualifizierten Beruf“ nachdenkt, hat die Wahl. Und entscheidet sich für den einen Weg. Das ist zu respektieren (nicht meine Entscheidung, aber ich bin auch nicht in dieser Situation). Aber es gibt auch viele Eltern (oder besser: Mütter), die sich gerne anders entscheiden wollen. Und das ist ihr gutes Recht. Leider sind einfach die Rahmenbedingungen noch nicht gegeben, dass sich Mütter frei für den einen oder den anderen Weg entscheiden können. Ohne geeignete KiTa im Ort geht es dann nun mal nicht.

Du Pauschalistin!

2007-02-18

Neulich mit Hase auf dem Sofa. Beim werbepausenüberbrückenden Zappen tauchte die gute Nina Hagen im Programm auf. Da viel mir doch der Auftritt von ihr bei Maischberger im vorletzten Jahr ein. Eine der weniger Sendungen, die ich tatsächliche gesehen haben. Mitten im Wahlkampf, ich total fertig, wollte nur noch ein paar Minuten vor dem Fernseher abschalten, finde die Sendung, kann nicht abschalten… War eine lustige Runde, die sich über den Einfluss einer (damals noch nur potentiellen) Kanzlerin Angela Merkel auf die Frauenpolitik unterhalten hat. Hier der Ausschnitt, gefunden bei YouTube:

Auch die „Anmerkungen“ von Oliver Kalkofe finden sich dort.

Post von Endemol

2007-02-14

Heute hatte ich eine Email im Postfach. Absender war Endemol, ich habe wohl irgendwann einmal bei denen meine Email Adresse hinterlassen.

Welcher junge türkisch-stämmige Mann ist auf der Suche nach seiner Traumfrau? Vertraut er dem Urteil seiner Mutter? Welches Mutter-Sohn-Duo hat Lust auf eine große Herausforderung? Wir freuen uns auf zahlreiche Zuschriften und Bewerbungen sowie auf Eure Fragen zu diesem Fernsehformat.

Irgendwie bin ich die falsche Adresse für diese Anfrage. Erstens und zweitens habe einen Freund. Außerdem bin ich trotz meine dunklen Harre nicht türkisch stämmig. Und auch wenn ich meiner Mutter vertraue, einen Partner (oder in diesem Fall: eine Partnerin) suche ich mir wenn dann schon selber aus. Das wäre ja noch schöner.

Ansonsten gehe ich jetzt mit dem Hase lecker essen. Allen anderen: fröhlichen Valentinstag!

Shared Space oder getrennte Spuren

2007-02-09

Am Dienstag abend war Hans Monderman in der GAL Fraktion zu besuch und hat abends im Bürgersaal des Rathauses mit über 70 Personen sein Shared Space Konzept diskutiert. In einem rund einstündigen Vortrag hat er zuerst die Hintergrunde und Methoden erläutert. Und das nur sehr spannend und plastisch, sondern durchaus auch unterhaltsam.

Monderman 22 - Version 2Monderman 29Monderman 13Monderman 18Mondermann 8

Aber worum geht es bei Shared Space? Hinter diesem Namen verbirgt sich ein Verkehrskonzept, das nicht mehr die Separation einzelner Klassen von Verkehrsteilnehmern zum Mass der Dinge erhebt, sondern den Strassenraum als öffentlichen Raum gestalten und ein miteinander Organisieren will. Hört sich erst einmal sehr theoretisch an. Erreicht wird dieses durch den massiven Abbau von Regeln, Schildern und einer Aufhebung der Spurentrennung. Das hört sich erst einmal schrecklich an. Ich will doch keine Auto auf meinem Radweg haben. Die parkenden sind doch schon schlimm genug.

Das waren auch die ersten Gedanken von Hans Monderman als er vor gut 20 Jahren aus einer Not heraus zu diesen Maßnahmen griff (sehr schön nachgezeichnet im Artikel „Gefahr ist gut“ der ZEIT). Damals war er noch von dem Erfolg solcher Maßnahmen überrascht, heute ist dieser Bereich auch aus Sicht der Verkehspsychologie untersucht. Auch die EU hat inzwischen ein Programm aufgelegt, an dem sieben Gemeinden in den Niederlanden, Belgien, England, Dänemark und Deutschland beteiligt sind.

Ein Punkt wurde in der Diskussion als besonders wichtig für den Erfolg des Projektes herausgestellt. Der Wille, es umzusetzen. Wenn der politische Wille stimmt, kommen vergleichbare Projekte zu beeindruckenden Ergebnissen, was Verkehrssicherheit und Lebensqualität angeht. Darüber hinaus ist es ebenfalls wichtig, dass in der Planung alle Betroffenen eingebunden werden. Sowohl die Menschen vor Ort, die Behörden, aber auch Vertreterinnen von Behindertenverbänden. Sowie die weiteren Interessengruppen vor Ort.

Nur wenn alle am Projekt mitwirken können und wollen, erhält man am Ende einen neuen Bereich öffentlichen Raum, der von alle Menschen gleichermassen genutzt werden kann und die Lebensqualität steigert. Es wird spannend sein, geeignete Ecken von Hamburg für solche Projekte zu finden und dann hoffentlich auch mal auszuprobieren.